Donnerstag, 16. Mai 2013

Alles auf Anfang

Rubin lernte ich im Frühjahr 2007 kennen, genau genommen fing ich am 1. April 2007 als Reitbeteiligung auf ihm an. Zuvor war ich ein paar Jahre nicht geritten, hatte nun aber wieder Lust bekommen und kam durch Zufall auf Rubin. Äußerlich durchaus charmant war ich als echter Ponyfan sofort angetan. Brav trug er mich beim Probereiten durch die Halle. Ich glaub sympathisch waren wir uns schon.
Was für ein Kaliber ich da nun ritt, merkte ich aber erst später. An sich hatte ich ja ein Händchen dafür, mir immer die komischen Ponys auszusuchen. Auch hier hat mein "komisches-Pony"-Sensor wieder sofort ausgeschlagen und ich entdeckte jede Woche eine neue Macke. Das find schon beim Handling an, Rubin ließ sich nicht von der Weide oder vom Paddock holen, er riss sich los und rannte dann ewig vor einem weg. Ich holte mir zahlreiche Verbrennungen. Beim Reiten war er scheinbar ein Durchgänger, richtig durchgegangen ist er mir nie, aber er war nur mit aller Kraft zu halten und man musste ihn immer hinter den anderen Pferden her reiten, deren hintern ihn gebremst hat. Alleine ausreiten ging nicht, wenn er denn vom Hof ging, drehte er einfach irgendwann um, ging durch und rannte nach Hause. Rennen war sowieso sein größtes Hobby. Oder er weigerte sich einfach irgendwo entlang zu gehen.

Ich weiß nicht mehr genau wie, aber ich fuchste mich so rein. Irgendwann ritt ich nicht mehr hinten, sondern nur noch vorne weg. Wer brav mit mir zum Anbinder ging, bekam dort etwas Brot und so kamen wir ganz ordentlich zurecht. Wenn er mir abhaute, versuchte ich ihn länger wegzujagen als er Lust zu laufen hatte, niemals habe ich versucht ihn einzufangen, das hat er dann auch irgendwie gemerkt. Ich begann ein bisschen mich mit Bodenarbeit zu beschäftigen und auch wenn es hauptsächlich Führübungen waren, so hat das doch denke ich seinen Teil dazu beigetragen, dass wir uns ganz ordentlich zusammen geschweißt hatten. Ich hatte ihn ganz gut im Griff, fernab von perfekt, aber immerhin. Als ich im Oktober 2008 nach 1,5 Jahren für ein halbes Jahr ins Ausland ging, war Rubin empört. Ich wusste nicht, dass Pferde empört sein können, aber er war es und er war es jedesmal, wenn ich es wagte länger wegzubleiben. Wenn ich hinterher immer die Geschichten gehört habe, fand ich es immer irgendwie absurd, aber es wiederholte sich wieder und wieder. Er wurde zickig, beinahe aggressiv und richtig schwierig im Umgang. Es war aber auch nicht so, dass ich meine Probleme mit ihm gehabt hätte, als ich im April 2009 zurück war. Er war genauso wie vorher, eher noch ein bisschen braver als sonst.

In Irland war ich hauptsächlich Hunter geritten, die so groß waren wie ich selbst. Wer sich ein halbes Jahr gegen diese Pferde behauptet hatte, die auch so ihre Sachen mit mir gemacht hatten, konnte sich nicht von einem Pony verarschen lassen. So mein Entschluss. Also setzte ich mich, das erste Mal nach 2 Jahren, auf dieses Pony und ritt allein aus. Erst alles gut, dann beschloss er, dass es hier nicht weitergehen würde. Ich sagte doch, er sagte Nein, wirbelte herum und wollte durchstarten. Ich griff vorne ins Gebiss und riss ihn rum. SO NICHT! Rubin blieb wie verdattert stehen und wir führten den Ausritt in die von mir gewünschte Richtung durch. Von da an, bin ich ihn allein ausgeritten, wenn er nicht wollte wie ich wollte, wollte ich nicht wie er und am Ende hatte ich den längeren Atem und seine Lust mit mir zu diskutieren lies immer weiter nach.

Im Dezember 2009 las ich in der Cavallo einen Bericht über die deutsche Meisterin im Distanzreiten. Vorher hatte ich noch nie etwas vom Distanzreiten gehört, aber als ich nun so darüber las, dachte ich, dass dies doch genau das richtige für Rubin wäre. Welches Pferd läuft schon gerne, wenn nicht Rubin? Also fragte ich ob es ok wäre, wenn ich das mal ausprobieren würde. War es. Ich kaufte mir ein Buch und hatte das große Glück, einen Stall weiter eine Distanzreiterin zu haben, die mir gerne Tipps gab und mir auch gleich sagte, welchen Ritt ich als erstes starten sollte. Die Ostsee Distanz Ende Mai 2010. Ich nahm sogar an einem Einsteigerseminar teil und begann mein "Training". Heißt, ich ritt 6 Mal die Woche und Rubin wurde erstmal gaaaanz ruhig und fand dann recht bald Spaß an der Sache. 10km im flotten Trab waren bald kein Thema mehr, kaum baut das Pony Muskeln auf, passte auch schon der Sattel nicht mehr und ich trainierte ihn einige Zeit sogar am Fahrrad. Körperlich verändert er sich sehr, wir werden drauf angesprochen und Rubin ist sehr glücklich mit seiner neuen Aufgabe. Ich war sehr aufgeregt vor meinen ersten Ritt und alle malten mir aus, wie schlimm es werden würde weil Rubin ja eher für sein unpassendes Verhalten bekannt war. Das war aber völlig unbegründet.

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